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Ergebnis der Onlinebefragung!

Ergebnis der Onlinebefragung!

Feuerwehrleute sind stark burnout-gefährdet

Fast 30 Prozent von Einsätzen traumatisiert

ver.di fordert mehr psychosoziale Unterstützung

 

Eine Online-Befragung der Gewerkschaft ver.di bei Feuerwehrleuten in Nordrhein-Westfalen hat zu alarmierenden Ergebnissen geführt. Danach halten sich 44 Prozent der Befragten für burnout-gefährdet. Fast jeder Zweite schilderte ein spürbar erhöhtes Maß an beruflichem Stress und stressbedingten Beschwerden. Das Miterleben von Schmerz, Elend und Leid der Brand- und Unfallopfer und die zunehmende Erfahrung von verbalen Angriffen und direkter Gewalt bei Einsätzen gehen nicht spurlos an den Lebensrettern vorüber. So gaben 29 Prozent an, von ihren beruflichen Erlebnissen selbst traumatisiert zu sein. Bei älteren Feuerwehrleuten häufen sich darüber hinaus körperliche Erkrankungen bzw. Beschwerden. Oft gab es einen Zusammenhang von Herz- und Kreislaufproblemen, Magen-Darm-Beschwerden und schmerzenden Verspannungen, über die 87 Prozent aller Befragten klagen.

 

„Der massive Stress hat bei vielen ein Ausmaß angenommen, das klinisch relevant ist. Fast 30 Prozent gaben an, sie könnten die berufsbedingten und -begleitenden Belastungen kaum noch aushalten“, erklärte Dr. Katja Geuenich, wissenschaftliche Leiterin der Akademie für Psychosomatik in der Arbeitswelt an der Röher Parkklinik in Eschweiler. Die Akademie hatte die Befragung im Auftrag der ver.di-Fachgruppe Feuerwehr in NRW durchgeführt. Befragt wurden 1.057 Feuerwehrleute zwischen 21 und 64 Jahren.

 

Psychische Probleme sind am Arbeitsplatz der Feuerwehrleute tabu, gaben 84 Prozent aller Befragten an. Gleichzeitig wünschen sich 75 Prozent mehr Unterstützung der Leitungsebene für Angebote der „psychosozialen Unterstützung“ (PSU), die die Feuerwehrleute bisher untereinander und ehrenamtlich anbieten. Die Gewerkschaft ver.di fordert jetzt eine Vereinbarung über die Freistellung bis zu vier Stunden wöchentlich für die Mitglieder der PSU-Teams. Zudem müsste die Gesundheitsfürsorge bei der Feuerwehr stark verbessert werden. Mit ihr sind 77 Prozent nur mäßig zufrieden bis unzufrieden. „Neben dem Ausbau der psychosozialen Betreuung muss ein Deeskalationstraining als Teil der Berufsaus- und Weiterbildung Standard sein, um der Gewaltbereitschaft unbeteiligter Dritter zu begegnen“, sagte Ortwin Bickhove-Swiderski, Fachgruppenleiter Feuerwehr bei ver.di NRW. Auch die Schulung in Techniken zur Selbstregulation wie zum Beispiel Entspannungsübungen müsste zum Alltag gehören. „Die Befragung hat ergeben, dass nicht zuletzt ein enger Zusammenhang zwischen dem Betriebsklima und der psychischen Belastung besteht. Bessere Austauschmöglichkeiten der Kollegen und Kolleginnen untereinander könnten hier kleine Wunder bewirken“, so Bickhove-Swiderski .